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Berni über seine neueste Kreation im High-End-Bereich: Schon vor einigen Jahren stolpere ich plötzlich mehr oder weniger durch Zufall - mein "Riecher" für Blöcke hat mich an diesen Ort getrieben - über diesen mitten in einem Kahlschlag liegenden - den Bundesforsten sei Dank - hausgroßen Felsblock. Von drei Seiten bin ich nicht besonders angetan - mein besagter Riecher zwingt mich aber den Block zu umrunden und als ich ums Eck biege, trifft es mich wie mit einem Blitz. "Wos is oft do los!? Bist eh deppert! ..." Unglaublich! eine 30 - 50° überhängendes mit Griffen sehr spärlich bestücktes, einem Schiffsbug ähneldes, relativ glattes Kalkschild. Nach einigen Minuten des im wahrsten Sinne des Wortes "unter die Lupe Nehmens" habe ich mir mit ein paar winzigen Griffen - die auch noch ungünstig zueinander liegen - an denen man sich mit brutaler Power evtl. festhalten könnte, eine Möglichkeit "zusammengesponnen" wie man dieses "Ungetüm" irgendwie bezwingen könnte ... Far away!? Einige Tage später halte ich es nicht mehr aus und ich muss einfach mal probieren, ob da irgendetwas geht. Wenige Minuten später muss ich feststellen, dass ich fast nirgends vom Boden abhebe - irgendwie liegen die Griffe so komisch, dass ich nicht genügend Druck darauf bekomme. "Jo oida ...!?" Abgestempelt als Zukunftsmusik und gedanklich in weite Ferne gerückt verlasse ich den Block für, wie sich herausstellen sollte, längere Zeit ... More Power! Nach meinem erfolgreichen Sommer 2007 mit dem Erfolg in Memento bin ich vollgetankt mit Selbstvertrauen. Im Oktober marschiere ich also mit dem Gedanken "da könnt i wieder mal hinschauen - die Linie is ja voi cool", zu diesem Block. Nach dem Putzen und markieren der Griffe lege ich zum ersten mal seit 3 Jahren wieder Hand an den Block. Das Selbstvertrauen und das mehr an Power, das ich in den Jahren und Monaten zuvor erworben habe zahlt sich schon auf jeden Fall aus. Ich schaffe zumindest annähernd alle Züge auf einer "abgespeckten" Variante, die linkshaltend durch den Überhang hochzieht - auch nicht leicht und ganz schön pressig. Die direkte Linie durch den Überhang bleibt vorerst nur eine logische Idee - die Temperaturen müssten dafür wahrscheinlich noch kühler werden. Mentally down! Wenige Tage später verliert eine sehr gute und enge Freundin von uns auf tragische Weise bei einem Verkehrsunfall - voll im Leben stehend, gerade zukunftsplanend mit Hausbauen, Heiraten usw. - ihr noch junges Leben im Alter von nur 23 Jahren! Das Ganze geht mir ziemlich nahe und wirft mich vorallem mental ziemlich aus der Bahn. Ich klettere und trainiere zwar, aber irgendwie ist der Kopf mit den Gedanken ganz wo anders ... Auf ein Neues! Im Februar endlich wird das Wetter besser und auch ich habe meine Akkus wieder voll aufgeladen. Ich will nun unbedingt wissen, ob die direkte Linie für mich möglich ist oder nicht! Bei kühlen Temperaturen habe ich nach etwa einer Stunde eine Lösung für die Sequenz mitten durch den Überhang gefunden - auch wenn´s ziemlich zach und brutal pressig ist. The line is dead!? Der nächste Besuch und seine Versuche verlaufen super - ich bin eigentlich am Weg zum Durchstieg, lasse die erste Crux hinter mir und habe auch den zweiten Crux-Move schon hinter mir, als ich beim Umsetzen des Fußes für den nächsten Zug vom entscheidenden Tritt für den linken Fuß wegrutschte. SH . . ! Ich schlage mir dabei so das Knie an und auf, dass ich erst nach zehnminütiger Pressatmung aufstehen und etwas herumhumpeln kann. Dabei entdecke ich, dass mir nicht nur der Fuß weggerutscht ist, sondern der ganze Tritt weg ist. Jetzt fehlt also nicht nur der einzige Tritt für die zweite Crux, sondern auch der entscheidende Griff für die erste Crux! Wo vorher ein 5 mm kleines Leistchen war, ist jetzt nur noch ein Wulst, der bestenfalls als miserabler Seitgriff genutzt werden kann. "Jetz geht´s eh nimma!" Much harder! So ist die Linie und vorallem das durchklettern sicher nochmal schwerer - aus der vor dem Griffausbruch vermuteten Fb 8B+/8C wird nun eine ziemlich sichere 8C - sofern sich das jetzt schon vermuten lässt ... Zwei Tage später scheint sich meine Muskulatur schon etwas an die - wirklich ungewöhnlich hohe und länger andauernde Belastung gewöhnt zu haben - ich falle (vom Stehendstart) zwar wieder an der zweiten Crux. Aber nicht unbedingt nur weil ich etwas angepumpt bin, sondern weil etwas Glück fehlt, um den Schlüsselgriff zu übersetzen und den zweiten Crux-Move an dieser Stelle zu schaffen. Closed?! Als die Bedingungen um die Osterzeit wieder "trockener" werden, verhindern Sturmschäden und eine damit verbundenen mehrwöchige Straßensperre eine Fahrt in die Gegend des Blocks! "Hilft nicht", es muss wieder gewartet werden :(( ... Noch stärker!? Erst ein Jahr später, um die Osterzeit - wenige Tage nachdem meine Oma beerdigt worden war, ist die Motivation für dieses Teil wieder voll entbrandt. In der Zwischenzeit habe ich das "Testpiece" Anam Cara (mit seinen auch brutalen Einzelmoves) wiederholen können, und auch sonst einige "nicht so leichte" Teile herziehen können. Die Power und die Form, sind wahrscheinlich so gut wie schon lange nicht mehr ... Explodiert! Nach einem Ruhetag habe ich das Gefühl gleich zu explodieren (vor lauter Kraft!?) - ich muss irgend etwas los werden, so scheint es! Berni Schwaiger P.S.: „Für mich sicherlich einer der schwersten Boulder, die ich je geklettert bin, weil darin drei extrem schwere Züge (verteilt auf den Anfang und den oberen Teil des Boulders) sind und auch die anderen sieben Moves wirklich fordern. Subjektiv gesehen und mit anderen "Referenz" - Bouldern verglichen, sicher Fb 8C, ob sogar mehr (oder auch weniger - vielleicht liegt mir das Ding einfach gar nicht ;) !?), wird wie immer die Zukunft zeigen!" |