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Wiederholung einer „radikalen Traumlinie“ – ANAM CARA Fb 8C!? Bereits letzten Herbst – als die Linie noch keine Erstbegehung hat – erfahre ich von diesen „alles abverlangenden“ Zügen. Optisch sieht der Boulder wirklich genial aus – für die Alpen ein sicherlich einzigartiges Stück Fels – vergleichbar mit Linien in Südafrika. Bernd erlöst das Teil noch im Herbst aus dem Projektstatus und die Bilder davon machen mich ganz heiß darauf, das Ding zu probieren. Der Winter ist lang und auch der viele Schnee, der auf den Bergen noch herumliegt, fordert meine Geduld. Im späten Frühjahr gelingt es mir einige „ältere, harte Nüsse“ mit ebenfalls brutalen Einzelzügen zu knacken. Die Form dürfte also passen! … für den ersten Tag bin ich eigentlich zufrieden… Zum Aufwärmen versuche ich mich erst einmal an die einzelnen Griffe zu hängen – funktioniert eigentlich überraschend gut. Der Versuch auch die Züge zu machen scheitert teilweise noch am Timing und an den für mich noch unklaren Fußpositionen. „PUH, das könnt´ etwas länger dauern – außer …!“ „Der Optimist sieht in jedem Problem eine Aufgabe!“ Einige Minuten später starte ich erneut und kann nach etwas Herumtüfteln – vor allem an den Fußpositionen – auch alle Einzelzüge machen. Nur der erste weite Zug ist sehr unsicher und braucht wahrscheinlich sehr viel „Glück“. Für den ersten Tag bin ich aber eigentlich zufrieden… Zwei Wochen später sind die Bedingungen besser als beim ersten Besuch. Mein Hauptaugenmerk liegt auf dem ersten Zug – ein besseres Rezept muss gefunden werden – vielleicht kann man auch die ein oder anderen Züge zusammenhängen!? … mit Minimalismus kommt man aber nicht weit! Nach einer kurzen Pause komme ich bereits zur Crux, kann auch den kleinen Untergriff ansetzen – irgendwie funktioniert aber das Übersetzen noch nicht. Gleich bastle ich noch ein wenig an der Fuß- und Körperposition herum – so könnt´ des vielleicht besser funktionieren… … zumindest irgendetwas kann man schon machen… Zwar auskuriert aber aufgrund des Wetterberichtes nicht gerade motiviert will ich am Weg zur European Outdoor noch einmal mein Glück versuchen. Der Wetterbericht meldet zwar trockenes, windiges Wetter, aber es regnet noch in Strömen, als wir zu Hause starten. Am Weg finden sich schon einige „blaue Löcher“ die die Hoffnung, heute doch probieren zu können, wieder aufkeimen lassen. Wir entscheiden uns zur Fahrt über die Silvretta Hochalpenstraße – vielleicht wird’s ja doch unerwartet besser… Im Paznauntal Richtung Silvretta sieht es dann aber sehr nass und auch regnerisch aus, keine Spur mehr von den blauen Löchern. Je weiter wir kommen, desto fieser sehen die Wolken aus. In Galtür regnet es zwar nicht mehr – wir gehen aber trotzdem noch auf einen Kaffee und warten, wie sich das Wetter so entwickelt. Der Wetterbericht hält was er verspricht und etwas später marschieren wir los. Am Block oben sind die Griffe zwar noch leicht feucht, aber der starke, kalte Wind gibt Hoffnung. Zumindest irgendetwas kann man schon machen – Feinheiten verbessern, Bewegungen fein tunen usw. Bevor ich meinen ersten Versuch an den noch leicht feuchten Griffen mache, entdecke ich eine bisher nicht probierte Fußposition für den ersten weiten Zug. Der erste Versuch zeigt – es geht, und das noch dazu besser und stabiler. Wieder rutscht mir aber der Fuß nach dem nächsten Zug weg – hmm!?. Der Wind pfeift aus allen Löchern – ich kann mich fast nicht erholen so stark und kalt ist der Wind – während ich raste kühle ich trotz dicker Jacke sehr schnell aus – bin eben auch nicht mehr der Jüngste ;). Der nächste Versuch erfolgt also nach kurzer Pause… „GEHT SCHO, REIß O“ Den ersten weiten Zug schaffe ich optimal – treffe die kleine Leiste perfekt – setzte die Füße um und treffe auch den nächsten Zwischengriff perfekt – der nächste Zug passt auch ganz genau – hab´ den Untergriff fest im Griff – als ich kurz zögere um mich auf das hohe, genaue Setzen des Fußes für den nächsten Zug zu konzentrieren, beginnt meine Freundin Christina mich voll anzufeuern – „GEHT SCHO“ – gepusht von der bisher unbekannten Lautstärke dieser Anfeuerung passt auch das Übersetzen des Untergriffes – den abschüssigen Griff perfekt getroffen, setze ich zum letzten Zug an die Dachkante an – „GEHT SCHO, REIß O“ – ich kralle die Griffe voll zu und reiße voll an – treffe auch den Griff an der Dachkante perfekt – ich spüre, dass ich „komplett“ fest hänge – hangle und ziehe noch bis ganz auf den Block. „Ich hab´ die Griffe so zuknallt, dass ich sogar angepumpt bin…!?“ Einen derart perfekten Versuch, bei dem alle Griffe und Züge auf den Millimeter genau getroffen werden, hat man (leider) nicht sehr oft! Umso schöner, dass mir einer davon die Wiederholung einer so genialen Linie wie ANAM CARA ermöglicht hat! THANKS FOR THIS! ANAM CARA könnte meiner subjektiven Einschätzung zufolge schon bei Fb 8C liegen, ob sogar mehr oder weniger wird die Zukunft zeigen!? Eigentlich ist die aber die Schwierigkeit, im Anbetracht der unvergleichbaren Schönheit der Linie, unbedeutend… Gratulation und Dank an Bernd für diese Traumlinie! „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!“
Text: Berni Schwaiger, Fotos: Christina Dalla-Bona |